Mir scheint, Elena Achermann-Marcuzzis Arbeiten sind ein sehr tauglicher Versuch, unbeseelte Dinge zu beseelen. Einer geradezu beunruhigend alltäglichen und gleichzeitig immer unverständlicheren technologisierten Welt nähert sie sich an, indem sie ihr mittels ihrer eigenen, ganz speziellen Blickweise eine vertraut wirkende Lebendigkeit verleiht.

Beim Übertragen auf die Leinwand verschindet teilweise das Ursprüngliche, Teile fallen weg, andere kommen dazu. Danach beginnt das Wichtigste für die Künstlerin: der Malprozess. Sie arbeitet mit Ölfarben, die verdünnt oder gemischt aufgetragen oder wieder weggewischt werden. Elena Achermann-Marcuzzi umschreibt die Ülfarben als etwas Sinnliches, Körperhaftes. Dadurch könne sie ihren Bildern mehr Volumen geben.

Wenn man nun das Glück hat, schon als jungen Menschen zwei verschiedene Kulturen zu erleben, bedeutet das nicht nur eine Verdoppelung, sondern eine Verdreifachung der Erlebnisse. Denn nebst den Gegensätzen durch die beiden Kulturen entsteht etwas Drittes, das weder Kompromiss noch Konsens ist, aber der persönliche Ort – oder „I miei luoghi d’invenzione“. Diese Orte können weder in Besitz genommen noch erklommen werden, man kann sich ihnen nur annähern.

Der Ort der Erfindung ist bei Elena Achermann-Marcuzzi die Leinwand selbst, also der Bildträger, die Bildfläche. Hier wird erfunden und gefunden. Und zwar nicht endgültig und definitiv, aber annähernd. Ein Begriff, den ich mit ihrer Arbeitsweise assoziiere.

Kunst zu machen ist für mich nicht einfach eine Freizeitbeschäftigung, sondern mein innerstes Bedürfnis.

Elena Acherman-Marcuzzi